Wie echt kann Storytelling sein?

Ist Storytelling immer inszeniert - und heißt das, dass Geschichten unecht oder unwahr sind? Darüber all das habe ich in einem Live mit meinem Gast Story-Coach Katrin Klemm sowie mit unseren zahlreichen Zuschauern diskutiert.

Unter dem Video sind unsere Key Takeaways und die vollständige Transkription.

(Durch Klick auf das Videobild werden Sie zu Youtube weitergeleitet. Video mit Untertiteln und Unterkapiteln)

Unsere Key Takeaways

💥 Storytelling wird dann echt, wahrhaftig oder stimmig, wenn auch die Hürden, Konflikte und Herausforderungen zur Sprache kommen. Rotkäppchen muss durch den Wald und muss dem bösen Wolf begegnen, der die Großmutter frisst, bevor es zum Happy End kommt.

💥 Über sich selbst Geschichten zu erzählen, kann eine Herausforderung sein - für Einzelpersonen und auch für Unternehmen. Das ist ein bisschen, als säße man in einer guten Flasche Rotwein und soll jetzt außen auf das Etikett schauen.

💥 Helfen kann dabei eine externe dritte Instanz, wie ein Story-Coach oder ein Case Study Copywriter, die den Blick von außen mitbringt und Mut zur Authentizität einfordert.

💥 Den Blick ins eigene Business oder in die eigene Person zu erlauben, erfordert Mut. Die Scheibengardine zur Seite schieben und einen Blick ins Innere erlauben.

💥 Mit welcher Intention erzählen wir im Business Geschichten? Es sollte mehr als nur um das Verkaufen eines Produkts gehen. Und man sollte die Intention seiner erzählten Geschichte transparent kommunizieren. Auch das ist Authentizität, die Vertrauen schafft.

💥 Geschichten im B2B handeln immer von den Menschen hinter dem Business, deren Emotionen, Wünschen und Rückschlägen. Keiner möchte 100 Minuten lang hören, wie toll eine bestimmte Lösung ist und welche Features sie hat.

💥 Storytelling ist immer Inszenierung. Das heißt aber nicht, dass die Geschichte nicht echt ist. Wichtig ist, dass die Geschichte mit den Werten und dem gelebten Alltag des Unternehmens übereinstimmt.

Eine halbe Stunde war geplant, aber wir hatten so viele Kommentare und Fragen aus der Audience, nach 45 Minuten mussten wir die Reißleine ziehen, da meine Stimme versagte. 😅

Ich danke an dieser Stelle ganz herzlich den Zuschauern, die so engagiert dabei waren, Carmen KauffmannPetra SammerDr. med. Marcus RiedelMartina RotersPetra Hoerter und Jana Schlosser.

Transkription des Videos


Kann Storytelling echt sein? Katrin Klemm und Andrea Bernard im Live mit Gästen.


[00:00:02.720] - Andrea Bernard

Hallo Hallo liebe Katrin. Hallo in die Runde!

 

[00:00:07.970] - Katrin Klemm

Hallo, liebe Andrea, hallo in die Runde, ich bin sehr froh, dass ich Andrea sehen kann und ich danke dir ganz herzlich für deine Einladung.

 

[00:00:17.750] - Andrea Bernard

Sehr gerne und ich begrüße auch alle, die zugucken. Vielleicht jetzt oder auch später dann. Das kann man ja auch im Replay sehen. Auf LinkedIn, auf YouTube und auf Facebook. Und ich freue mich auf diese halbe Stunde heute mit Katrin. Wir haben mal so eine halbe Stunde eingeplant und ich plane, ich zeige auch gleich mal noch unser Thema heute.

 

[00:00:38.090] - Andrea Bernard

Wir hatten es ja auch angekündigt. Wie echt kann Storytelling sein oder kann Storytelling echt sein? Schreibt gerne eure Fragen und Kommentare in den Chat. Wir können das auch einblenden. Wir gehen auch super gerne darauf ein und ansonsten legen wir jetzt einfach mal los.

 

[00:00:54.610] - Katrin Klemm

Und dann darf ich, schnappe ich mir gleich mal die erste Frage, weil ich finde, du hast so einen interessanten Job. Und wenn ich mir jetzt vorstelle, Andrea, die Case Study Copywriterin, schreibt eine Case Story über Andrea, was wäre drin und was würde sie "echt" machen?

 

[00:01:16.350] - Andrea Bernard

Oh, Katrin, das ist eine super Frage. Ja, wenn ich praktisch darüber nachdenke, über mich eine Geschichte zu schreiben. Vielleicht sogar im Business Kontext, dann ist das so ein bisschen für mich, wie, wenn ich in einer Rotweinflasche sitze und draußen auf das Etikett gucken soll, um zu sagen, was in dieser Flasche drin ist. Ich finde das unglaublich schwierig über mich selber zu erzählen, weswegen ich mich darauf spezialisiert habe, aus anderen die Geschichten herauszuholen.

 

[00:01:45.250] - Andrea Bernard

Aber ich stelle mir die Gegenfrage Katrin, wie sieht es bei dir aus? Gerade als Story-Coach ja auch für Menschen, die ihre Lebensgeschichte, ihre Life Story schreiben wollen. Was wäre denn deine Geschichte über dich selber?

 

[00:01:59.290] - Katrin Klemm

Den Begriff Story-Coach muss ich häufig noch ein bisschen erklären, weil ich häufig höre, Storytelling, ja das ist ja hier dieses Marketing Gedöns.

 

[00:02:07.220] - Katrin Klemm

Als Story-Coach allerdings: Ja, ich beherrsche das Handwerkszeug des Storytelling, um saubere Strukturen zu nutzen, die eine Geschichte braucht. Und gleichzeitig bin ich aber fasziniert von der Magie, die sich entwickelt, wenn sich eine richtig gute Geschichte wie von selbst entwickelt.

 

[00:02:27.420] - Katrin Klemm

Und als Story-Coach schaue ich so ein bisschen hinter die Schleier der Geschichten, die wir uns selbst erzählen und hinter die Geschichten, die wir anderen erzählen. Jo, das ist für mich ein Handwerkszeug, wenn es darum geht, was mache ich aus der Geschichte, die mich geprägt hat?

 

[00:02:50.300] - Andrea Bernard

Ja, Katrin, wir haben auch schon die ersten Kommentare. Ich springe mal kurz rein. Ich sehe, dass Carmen uns begrüßt. Hallo Hallo Carmen, ich freue mich auch, dass du da bist und ich sehe auch Martina schaut auch zu und sagt Hallo

 

[00:03:05.270] - Andrea Bernard

Und ich sehe, wir haben auch Petra, Petra Sammer und Petra sagt:"Oh, wie schade. Storytellerinnen sollten auch gut über sich selbst erzählen können. Nur Mut." Ja, das nehme ich auf meine Kappe auf jeden Fall. Und ich bin auch gerade daran zu üben, auch über mich selber Geschichten zu erzählen. Ich nehme ja an dem Story Skills Workshop von Bernadette Jiwa teil, bei Akimbo.

 

[00:03:28.550] - Andrea Bernard

Und da geht es genau darum, auch über sich selber Geschichten zu erzählen mithilfe von Strukturen. Aber mein Herz brennt trotzdem immer dafür, bei anderen die Geschichten zu entdecken und aus ihnen herauszulocken.

 

[00:03:42.200] - Katrin Klemm

Und das ist ja auch ganz fantastisch. Ich selbst musste auch erst mal meine eigene Blockade überwinden, weil ich komme aus dem IT Business. Und da ist alles 0 oder 1, quadratisch, praktisch, gut. Und ich habe Jahre gebraucht zu akzeptieren, dass ich eine Faszination für die Magie habe von Geschichten.

 

[00:04:00.380] - Katrin Klemm

Und als ich dann kapiert hatte, dass ich ja nicht das eine oder das andere sein muss, als ich diese Angst weggeschmissen hab, ja, wenn die strukturierten Kunden dann das erfahren, dass ich auch andere Sachen kann, dann wollen die mich nicht mehr, als ich begriffen habe, wie das zusammenpasst, dann lief es plötzlich. Und das ist genau die Mischung in jeder persönlichen Life Story. Es ist immer beides.

 

[00:04:25.880] - Andrea Bernard

Und woran merke ich jetzt, dass so eine Life Story echt ist? Oder wie hilfst du deinen Kundinnen, Kunden echte Geschichten zu erzählen?

 

[00:04:38.330] - Katrin Klemm

Ich habe bei Petra Sammer gelernt: "No conflict, no story". Das heißt, ganz, ganz behutsam lade ich die Frauen ein, weil die sind es hauptsächlich, zu schauen, wo waren eigentlich die dicken Konflikte in meinem Leben? Wo waren die kleinen Konflikte in meinem Leben? Was hat sich dann daraus entwickelt? Weil, wie gesagt, wenn alles Chico war, ist es PR, dann ist es nicht echt.

 

[00:05:13.640] - Katrin Klemm

Und ich seh grad die Frage von Petra Sammer, was ist echt? Ich habe mich entschieden, dass ich keine Definition geben will. Für mich ist echt aufrichtig. Es ist das, wo ich im Herzen und mit dem Verstand überzeugt bin, dass ich das mit der Welt teilen will. Selbst wenn das nicht ganz einfach ist. Denn authentisch, kann ja manchmal auch ganz schön autsch sein. Hm.

 

[00:05:46.580] - Katrin Klemm

Und ich spiel den Ball, auch wenn ich gleich dazu gern noch einiges sagen kann, mal zu dir zurück, Andrea: Was ist bei dir echt? Wie ist das, wenn du echte Geschichten aus Kunden herausholen willst? Ist da auch so dieses, "Ach, machen Sie mir mal ne nice PR-Geschichte"? Wie machst du das?

 

[00:06:06.140] - Andrea Bernard

Genau. Ich begrüße ganz kurz auch noch Petra, die auch zuguckt, zuhört. Hallo zusammen, coole Frage zum Thema, danke Petra.

 

[00:06:14.870] - Andrea Bernard

Und genau, wie hole ich aus meinen Kunden praktisch? Oder fragen die mich, mach uns doch mal eine coole Case Study, also eine Case Study oder Kunden-Erfolgsgeschichte, Fallstudie ist ja etwas, wo praktisch meine Kunden schon mal nicht über sich selber erzählen, sondern wiederum einen Perspektivwechsel machen und eine Geschichte ihrer Erfolgskunden erzählen. Also sich einen ihrer Kunden nehmen, die mit ihnen einen Erfolg hatten. Die zufrieden sind, die glücklich sind und deren Geschichte erzählen.

 

[00:06:45.710] - Andrea Bernard

Ein ganz wichtiger Perspektivwechsel, der auch dazu führt, dass die Geschichte meiner Meinung nach glaubwürdiger und echter wird. Weil sie eben, weil mein Kunde eben nicht über sich selber erzählt, nicht werberisch sein eigenes Produkt lobt, sondern seinen Kunden fragt und sagt, "Sag doch mal, wie ist das eigentlich? Wie hat dir mein Produkt eigentlich geholfen?

 

[00:07:06.770] - Andrea Bernard

Da kommen natürlich auch Kunden auf mich zu, die sagen, ich hätte gerne so eine Case Study.

 

[00:07:11.030] - Andrea Bernard

Und wenn ich dann sage ,"Ja, dann müssen wir den Kunden interviewen", "Wie, da müssen wir den Kunden interviewen? Ach so, da müssen wir ein Interview führen?"

 

[00:07:16.760] - Andrea Bernard

Ja, du willst die Geschichte deines Kunden erzählen. Und die kannst du ja nur erzählen, wenn du ihn gefragt hast. Weil wenn du sagst, was du denkst, was der Kunde mit deinem Produkt hatte, dann ist es ja im besten Falle Hörensagen bzw. dann ist das halt nur in deinem Kopf. Und das ist schon mal, finde ich ganz wichtig, um um eben echte Kundengeschichten zu bekommen.

 

[00:07:39.890] - Andrea Bernard

Da ist natürlich die Frage, was ist echt? Und auch da sage ich genau wie du gesagt hast, "Ohne Konflikt keine Geschichte". Finde ich super. Sehe ich bei den Case Studies genauso. Und das ist auch immer mein Thema bei diesen Interviews, die ich führe.

 

[00:07:53.450] - Andrea Bernard

Dass ich sage, "Erzählt doch mal auch, welche Schwierigkeiten ihr gemeinsam gemeistert habt, denn erst wenn man gemeinsam Kunde und Anbieter durch Schwierigkeiten auch hindurchgegangen ist, kann man auch sagen, mit dem kann ich wirklich arbeiten, mit der hat das wirklich geklappt, auch wenn es mal irgendwie schwierig wird.

 

[00:08:08.720] - Andrea Bernard

Und diese Schwierigkeiten sind ja oft externe Faktoren. Es ist ja nicht die Schuld der einzelnen Unternehmen und darum kann man sehr anschaulich zeigen, wie man arbeitet. Und es ist eben echt in dem Sinne, weil es eben, weil es, ja, mir fällt kein anderes Wort dazu ein, aber es zeigt anschaulich, wie die gemeinsame Arbeit funktioniert.

 

[00:08:27.860] - Katrin Klemm

Ja und ich sehe auch schon im Chat Petra, Martina... Der Bereich von echt, wahrhaftig, authentisch. Es ist so ein großes Feld, in dem es sich bewegt. Lass mich vielleicht ein sehr konkretes Beispiel geben.

 

[00:08:47.440] - Katrin Klemm

Ich gehe mit der Life Story im Mai wieder nach Portugal. Da hat sich jetzt gerade eine Teilnehmerin angemeldet und für die war alles Chico. Alles fein. Sie hatte nur genau eine Frage. Ich spreche immer davon, dass ich radikale Kooperation fördere.

 

[00:09:07.300] - Katrin Klemm

Ihre Frage war, "Sag mal, radikale Kooperation. Ich komme gerade aus einem Coaching/Ausbildung und da musste ich leider miterleben, dass Leute nicht feedback-geschult waren und dass die auch unter der Gürtellinie sich gegenseitig Sachen um die Ohren gehauen haben. Das will ich nicht haben, weil das hat niemanden vorangebracht."

 

[00:09:29.740] - Katrin Klemm

Und das hat mich eingeladen, radikale Kooperation noch mal tiefer zu durchdenken. Und für mich heißt radikale Kooperation, dass ich auf der Sachebene, also da sitzt die Ingenieurin neben der Kindergärtnerin und nehmen wir noch eine Werbeagentur-Leiterin. Die sitzen nebeneinander und die haben vollkommen unterschiedliche Blicke auf die Welt.

 

[00:09:55.030] - Katrin Klemm

Und es ist der einen erlaubt, wenn die Kindergärtnerin jetzt der Ingenieurin erklärt, "Du, wenn bei mir so ein Steppke seine Schnürsenkel zubindet, um dieses Problem zu lösen, dann geht der so und so voran. Das ist eine Einladung an die Ingenieurin zu sagen, "Hör zu". Weil es einfach so ist, dass manchmal andere unsere blinden Flecken viel besser und viel schneller und viel leichter sehen.

 

[00:10:19.750] - Katrin Klemm

Es heißt aber gleichzeitig auch immer, dass ich das immer mit der Absicht mache, und Petra da lass uns weiter im Gespräch bleiben, ich mach es mit der ganz klaren Absicht, dass es wertschätzend ist und dass es den anderen voranbringt.

 

[00:10:37.180] - Katrin Klemm

Das sind bei mir der Inhalt der Mitteilung, der sehr klar sein darf und klar sein soll. Und auf der anderen Seite meine Absicht, in der ich erzähle, was ich wahrgenommen habe und was ich mir wünsche. Das ist für mich ein Thema und das immer wieder sich entwickelt.

 

[00:10:56.110] - Andrea Bernard

Hm, absolut. Finde ich so einen wichtigen Punkt, dieses, wann gibt man dem anderen Feedback, nutzt es dem anderen, ist es konstruktiv? Ist es positiv? Wie hilft es dem anderen sozusagen? Also wahrhaft sein oder echt sein oder authentisch sein heißt ja nicht,  dem anderen einfach nur etwas sagen, weil man das jetzt gerade denkt und ihn verletzen. Das bringt überhaupt nichts.

 

[00:11:19.480] - Andrea Bernard

Ist vielleicht auch ein bisschen der Unterschied zwischen persönlich und privat, wenn wir jetzt auch Geschichten erzählen, ist ja auch so ein bisschen ein Unterschied.

 

[00:11:27.010] - Andrea Bernard

Ich blende auch noch mal kurz ein, Petra schreibt auch noch, finde ich sehr wichtig. "Ich denke echt heißt nicht gleich wahr". Ich denke auch, dass es da viele Unterschiede gibt. Sehr interessantes Thema zwischen Echtheit und Wahrheit ist ein Unterschied.

 

[00:11:39.470] - Andrea Bernard

Echt heißt meiner Meinung nach aber auf jeden Fall wahrhaftig. Was heißt wahrhaftig? Wahrhaftig heißt für mich zum Beispiel eben auch, dass das, was ich erzähle, dass die Geschichten, die ich erzähle, dass die mit meinen Werten und mit meinen Wertevorstellungen und mit dem wie ich handle und mit dem, was ich ansonsten mit diesen Menschen im Kontakt bin, übereinstimmt.

 

[00:11:59.980] - Andrea Bernard

Dass es stimmig ist, dass die Menschen sagen, "Ja, in der Geschichte erkenne ich Andrea wieder, so, wie sie auch heute, morgen, gestern und übermorgen gehandelt hat oder handeln wird.

 

[00:12:08.350] - Andrea Bernard

Und ähnlich sehe ich das auch bei Case Studies von Unternehmen. Natürlich formen wir die Geschichten. Natürlich haben wir Strukturen für so eine Case Study. Natürlich nehmen wir bestimmte Elemente, um einen roten Faden zu bilden.

 

[00:12:20.350] - Andrea Bernard

Und natürlich ist so eine Case Study oder Kundenerfolgsgeschichte eine Erfolgsgeschichte. Am Ende steht ein Erfolg, aber sie stimmt eben mit den Werten und mit den Grundsätzen dieses Unternehmens überein. Und man merkt, es gibt ein stimmiges Bild, sozusagen. Und das finde ich halt, das finde ich sehr wichtig.

 

[00:12:39.100] - Andrea Bernard

Wir sehen, ich sehe, wir kriegen ganz, ganz viele Kommentare. Ich wollte auch ganz kurz noch, ich sehe, Marcus ist auch da, hallo Marcus, ich versuche mal ganz kurz einzublenden. Ich komme schon kaum noch hinterher, glaube ich. Marcus sagt Hallo.

 

[00:12:53.620] - Katrin Klemm

Ah, "idealisiertes Bild".

 

[00:12:55.970] - Katrin Klemm

Ja, ich habe es auch grad gelesen, ja genau. Zu Intention zu stehen, das ist für mich auch so, ich geh da raus und ich habe eine Absicht. Ich nutze eine Geschichte. Häufig passiert es mir auch, dass ich Geschichten erzähle und es wieder mal nicht gemerkt habe.

 

[00:13:14.320] - Katrin Klemm

Also ich habe ungefähr 25 Jahre gebraucht, um herauszufinden, dass das Storytelling ist, was ich da schon mein ganzes Leben mache. Mag sein, dass es da absichtslos war. Aber heute nutze ich sie sehr konsequent und ich sag das auch, weil ich es gerne möchte, dass es meinem Gegenüber leichter fällt.

 

[00:13:37.200] - Katrin Klemm

So, ist das jetzt schon, sozusagen, ist das jetzt schon nicht mehr wahrhaftig, weil, so wie Marcus jetzt hier schrieb, nicht nur aus Verkaufszwecken, völlig idealisiert?

 

[00:13:50.130] - Katrin Klemm

Verkaufszwecke ja, idealisiert, vergiss es. Denn ich glaube, im Kino, sagen wir, was hatten wir vorhin, Rotkäppchen ohne den Wolf, Dornröschen ohne die Spindel, Windows ohne Bugs, Kanzlerduelle ohne technische Pannen. Würden wir uns nicht lange angucken, weil wenn dieses Kribbeln, wenn dieses, wird er es schaffen, wir er es  nicht schaffen, wenn das Ding fehlt, warum sollte ich dann da so lange drin sitzen?

 

[00:14:24.090] - Andrea Bernard

Ja, und ich finde, Geschichten müssen auch immer, finde ich wichtig, etwas transportieren. Auch um auch noch mal auf Marcus zurückzukommen, dieses nicht nur aus Verkaufszwecken. Also ich finde, eine Geschichte nimmt mich dann mit, oder, ich hatte vor ein paar Tagen ja das Zitat von der Bernadette Jiwa auch gepostet. Also, erzähle Geschichten, die die Menschen bewegen und nicht, die sie in irgendetwas hinein überreden oder tricksen sozusagen.

 

[00:14:50.490] - Andrea Bernard

Also ich finde, eine Geschichte muss auch in sich immer einen Wert haben, ganz unabhängig davon, was ich jetzt verkaufen will vielleicht. Und auch bei den Case Studies sehe ich das so. Also so eine Case Study, wo jetzt praktisch ein Unternehmen beschreibt, wie seine Lösung bei irgendeinem Kunden ganz konkret funktioniert hat und welche Ziele, Erfolge das gebracht hat, die hat in sich einen Wert.

 

[00:15:11.790] - Andrea Bernard

Die erzählt etwas darüber, wie man so eine Lösung implementieren kann, welche Erfolge man damit erzielen kann, was für dieses Unternehmen wichtig war, wie die sich da geschlagen haben und so weiter und so fort.

 

[00:15:24.870] - Andrea Bernard

Und das ist bei einer Case Study ganz klar, mit einer Case Study möchte ich mein Produkt verkaufen als Anbieter, in dem ich diese Case Study schreibe.

 

[00:15:31.500] - Andrea Bernard

Aber ich möchte auch Visionen bieten. Ich möchte sagen, so könnte diese Lösung oder auch ähnliche Lösungen meinetwegen anbieten oder so könnt ihr Erfolge erzielen oder so arbeiten wir mit unseren Kunden zusammen oder oder oder oder. Und ich finde, diese Geschichten müssen in so einer Geschichte auch rüberkommen, sodass es nicht nur darum geht, etwas zu verkaufen. Absolut.

 

[00:15:52.300] - Katrin Klemm

Ja, ich bin schon gleich wieder auch bei der nächsten großartigen Frage, oder vom Statement von Petra: "Radikale Kooperation als Arbeitsprinzipwas.  Was ist die Story dazu?"

 

[00:16:05.910] - Katrin Klemm

Ich sage ja. Das ist ein Begriff, den ich mal gehört habe, den ich sehr interessant und sehr, sehr spannend fand und habe dann bei mir geguckt, wie, was ist eigentlich so in meinen Kundenumfeld los gewesen.

 

[00:16:21.450] - Katrin Klemm

Und ich habe eine Geschichte gefunden, wo ich mir dachte, da hätte ich vielleicht ein bisschen mehr radikale Kooperation gebraucht.

 

[00:16:30.420] - Katrin Klemm

Es ist jetzt schon ein paar Jahre her, der Kunde war, ich habe viele Jahre auch noch als Change & Transformation Managerin gearbeitet, und der Kunde war vom Umfeld her schwierig. Es war IT, ich will jetzt nicht zu viele Details nennen. Und vielleicht hätte ich die Finger davon lassen sollen, aber die wollten mich so unbedingt. Ich war empfohlen worden, die haben keinen anderen Berater reingelassen. Ich hätte ein paar Dinge anders und besser machen können. Ich habe immer wieder sehr transparent kommuniziert.

 

[00:17:09.600] - Katrin Klemm

Was ich sehe, wo man Dinge anders tun sollte: Ich habe in meiner ganzen Transparenz eines vergessen und das ist eine ganz authentische Weigerung. Ich hätte aufhören sollen. Ich hätte ihnen ganz klar machen sollen, wenn wir diese Bedingungen nicht schaffen können, dann bringt es nichts, wenn ich mich zu Tode arbeite und drei andere Leute sich auch zu Tode arbeiten in diesem Unternehmen.

 

[00:17:33.570] - Katrin Klemm

Und gleichzeitig ist es mir gelungen, bei fünf oder sechs Menschen in diesem Unternehmen ein Feuer anzuzünden, dass - Theorie? Keine Ahnung, Hypothese -  wäre ich nicht da gewesen und so vehement dran geblieben, heute, da nicht auf kleiner Flamme brennen könnte.

 

[00:17:51.780] - Katrin Klemm

Aber was ich jetzt gelernt habe für mich, ich würde einen solchen Auftrag in Zukunft ablehnen. Auch wenn das schön und attraktiv und sonstiges ist. Aber diese Art der radikalen Kooperation, dieses wertschätzende, bis hierher und nicht weiter und das sind die Bedingungen, das ist für mich die Geschichte, meine sehr, sehr persönliche Geschichte, dass ich sage, okay, was heißt für mich radikal?

 

[00:18:17.460] - Andrea Bernard

Ja, ja. Also ja, geht mir bei Case Studies auch so. Es gibt auch Projekte, wo ich sage, da bin ich nicht der richtige Partner dafür. Und mich da auch nicht hinein begebe. Ich hatte auch schon Kunden, jetzt nicht bei Case Studies, aber bei anderen Sachen, wo ich auch das Gefühl hatte, ich bin nicht der richtige Partner dafür. Und die Kooperation ist nicht ideal.

 

[00:18:42.340] - Andrea Bernard

Und dann gesagt habe, ich denke, wir sollten aufhören. Und dann aber der Kunde kam und sagt, nein, du bist genau die Richtige.

 

[00:18:51.580] - Katrin Klemm

Genau das würde mich wirklich interessieren, Andrea. Ist das, ich hoffe, ich formuliere es jetzt richtig.

 

[00:18:57.430] - Katrin Klemm

Also, kriegst du manchmal auch unlautere Anfragen, wo jemand sagt, "Mach mir hier ein bisschen Sahne-Soße drüber, aber wasch mich, aber mach mich nicht nass? Wie gehst du da vor? Wie klärt ihr das?

 

[00:19:11.590] - Andrea Bernard

Das ist eben das Schöne an der Case Study, dass ja der Prozess so klar ist. Dass ich mit meinem Kunden, der eine Case Study über seinen Kunden haben möchte, spreche, dann sage, du brauchst auf jeden Fall einen Kunden, der auch bereit ist, für die Case Study zur Verfügung zu stehen.

 

[00:19:26.980] - Andrea Bernard

Der auch bereit ist für ein Interview, also zumindest schriftlich. Aber das habe ich bisher auch nur einmal erlebt, in einem ganz Sonderfall. Ansonsten, ohne Interview geht das nicht.

 

[00:19:36.140] - Andrea Bernard

Und daraus schreiben wir dann die Case Study. Und dann natürlich hatte ich auch schon Kundenanfragen, die gesagt haben, ja, das mit dem Interview, das machen wir dann (ohne den Kunden). Und wir wissen auch, wie das gelaufen ist. Und wir müssen dann nur noch ein paar Zitate dann aus dem Unternehmen holen. Die sind einverstanden, aber da holen wir dann nur noch ein paar Zitate, die man dann einbauen.

 

[00:19:54.310] - Andrea Bernard

Und man sieht auch ganz viele Case Studies, wenn man im Internet sucht nach Studies. Der Großteil der Case Studies ehrlich gesagt, ich sehe, sehe ich auf zwei, drei Blicke, dass das wahrscheinlich eine Geschichte ist, die der Anbieter selber geschrieben hat. Und dann hat er sich noch ein paar Zitate rein geholt.

 

[00:20:08.290] - Katrin Klemm

Plauderst du aus dem Nähkästchen, woran erkenne ich das? Du als Profi erkennst das, würde ich das auch erkennen?

 

[00:20:14.680] - Andrea Bernard

Ich glaube, du würdest das auch erkennen, weil du einfach merkst, dass die Zitate nicht zur Geschichte passen. Dass die Geschichte im Prinzip, dass die Zitate auch zu viel zu allgemein sind. Die klingen wie eine Kundenstimme. "Kooperation war super". Vielleicht steckt auch noch irgendein Erfolg mit drin, aber es erzählt nichts Echtes aus dem Prozess.

 

[00:20:32.020] - Andrea Bernard

Die Zitate, die drin sind, sind nicht konkret aus einem ganz kleinen Detail. Und wenn man die gesamte Geschichte liest, merkt man auch, dass die Geschichte geschrieben ist, ohne dass Personen erwähnt werden und wie die dann in der Zusammenarbeit, wie das funktioniert hat.

 

[00:20:46.120] - Andrea Bernard

Die Menschen dahinter fehlen in den Geschichten und die müssen ja auch fehlen, weil sie ja nicht gefragt wurden. Ja, und deswegen bei einer Case Study, ich will auch immer, dass beim Kunden ich mindestens zwei Personen im Interview habe und dass sie mir vor allen Dingen, wie du auch sagst, Katrin. Ich bin der totale IT-Nerd. Was mich noch viel stärker interessiert, sind die Menschen dahinter, wie die mit der Technologie umgehen, wie die frustriert sind oder wie sie glücklich sind.

 

[00:21:12.040] - Andrea Bernard

Wie ihnen die IT in ihrem täglichen Leben hilft und diese Geschichten will ich in den Case Studies haben. Und die hast du nur, wenn du ein Interview führst und wenn du die anderen Case Studies liest, dann sind die, da sind einfach nur die Fakten aneinandergereiht.

 

[00:21:25.360] - Andrea Bernard

Ja, und wenn dann noch ein, zwei Zitate drin sind, die mit den Fakten, die einfach so herausgelöst sind, dann weißt du eigentlich schon, dass da kein Interview stattgefunden hat. Und das zieht die Menschen nicht mit.

 

[00:21:35.980] - Katrin Klemm

Das führt mich zur Frage von Carmen. Vielleicht magst du die einblenden, was sie für ein wenig provokativ hält, I love provokative Fragen. Weil ich weiß, was für ein unglaublicher Humor da drin stecken kann.

 

[00:21:50.410] - Katrin Klemm

Auch hier bin ich gerne bereit, eine von meinen Geschichten zu teilen. Es ist ja so ein bisschen, Missgeschicke, Krisen, Rückschläge, die gehören zum Leben wie die Erfolge, wie die Highlights, wie alles andere. Das ist das Leben, das es Ebbe und Flut, das ist hell und dunkel.

 

[00:22:10.270] - Katrin Klemm

Das ist, meine Tanztrainerin sagt immer, wenn ihr im Wald eine schöne Pose haben wollt, müsst ihr vorher tief ins Knie gehen. Und Petra sagt jetzt dazu, na ja, aber nicht so mit Zeigefinger hier. Wir lernen aus Fehlern. Ich sage dann immer, über sieben Brücken musst du gehen.

 

[00:22:29.080] - Katrin Klemm

Zum Beispiel lade ich als Life Story Coach, ich lade die Klientinnen immer dazu ein, Termine mit sich selber zu machen, Zeit für sich selbst einzuräumen, zu sich selbst auch mal besonders freundlich zu sein. Bei mir sind das nicht sieben Brücken, bei mir sind das 70!

 

[00:22:47.390] - Katrin Klemm

Ja, also was ich schon alles ausprobiert habe, um zu sagen, wie bekomme ich es hin? Eine richtig schöne Balance, weil ich probiere ja alle Tools, die ich meinen Kundinnen vorstelle. Ich muss die erst selber ausprobiert haben, sonst kann ich nicht sagen, ob es funktioniert.

 

[00:23:04.920] - Katrin Klemm

Und in diesen gescheiterten Versuchen, ich habe in 14 Tagen wieder eine Veranstaltung, wo es genau darum geht, erzähle ich auch wirklich ganz offen, was habe ich ausprobiert, was war daran gut? Wie habe ich es vermurkst, weil eine andere Teilnehmerin könnte ja mit dem gleichen Tool super Erfahrungen machen.

 

[00:23:28.420] - Katrin Klemm

Und das ist das, ich war heute Morgen gerade bei der wunderbaren Dr. Anja Timmermann. Ich bin da nicht mehr hinter der Scheibengardine. Den Begriff haben wir heute Morgen geprägt. Wenn ich dann echt bin, dann räume ich diese Scheibengardine zur Seite, geputztes Fenster und dann dürfen die das sehen.

 

[00:23:48.520] - Katrin Klemm

Weil ich glaube, zu Carmen noch mal zurück, es hilft anderen da draußen, oder so wie du gerade gesagt hast Andrea, es hilft zu schauen, wie machen die es, aus der Nummer wieder rauszukommen? Da haben wir den Kick, den Drive, den Twist nach oben, ohne den wir aus Folgen, aus Serien nicht wieder rauskommen wollen.

 

[00:24:14.300] - Andrea Bernard

Genau, wie Rotkäppchen eben erst durch den Wald muss. Und der Wolf muss erst die Großmutter fressen und der Jäger muss erst helfen, damit wir praktisch mit der Story auch mitleben. Und natürlich kann man so was so dramatisch jetzt zum Beispiel in so einer Case Study von einem Kunden natürlich jetzt nicht in voller Dramatik darstellen.

 

[00:24:33.640] - Andrea Bernard

Was oft dramatisch ist tatsächlich, ist das "Davor". Also, dass der Kunde, bevor er dann diese Lösung gefunden hat oder dieses Produkt eingesetzt hat, große Probleme hatte, ja. Und lange gesucht hat oder irgendwie eine interne Lösung hatte, wo die Excel-Tabellen und die Zettel rumflogen und das ging irgendwie gar nichts mehr.

 

[00:24:54.610] - Andrea Bernard

Aber während der Zusammenarbeit da dann auch Hürden aufzuzeigen, ist natürlich immer so ein bisschen schwierig. Weil, im Gespräch kommt es durchaus. Aber es dann tatsächlich auch in die Geschichte zu schreiben und dann auch tatsächlich zu sagen, ja, das, wir sind da gemeinsam durchgegangen und wir haben da gut rausgefunden, wie du sagst...

 

[00:25:16.540] - Andrea Bernard

Und da finde ich, ist eben so die Rolle eines externen Copywriters besonders wichtig, dann zu sagen, doch, tut es rein, das ist gut. Ihr zeigt ja, wie toll das gelaufen ist und so weiter. Es ist ja auch nichts, wo ihr jetzt irgendwie, was weiß ich, wo wir irgendwie schlecht dasteht oder so.

 

[00:25:33.430] - Andrea Bernard

Und das ist glaube ich eine meiner wichtigsten Rollen, da dafür zu stehen, dass das Hoch und Tief, dass Licht und Schatten mit reinkommt. Natürlich in Maßen, weil, es ist ein Marketingtool, ganz klar Case Studies.

 

[00:25:48.520] - Andrea Bernard

Deswegen, authentisch und echt finde ich auch immer im gegebenen Kontext sozusagen.

 

[00:25:54.490] - Andrea Bernard

Aber ich sehe, wir haben noch ganz viele Sachen. Ich hatte vorhin auch gesehen Martina, da wollte ich noch mal kurz zurückkommen. Genau. Martina schrieb nämlich vorhin: "Wie mal jemand gesagt hat, man muss jemandem die Wahrheit nicht wie einen nassen Waschlappen ins Gesicht klatschen."

 

[00:26:10.160] - Katrin Klemm

Das nehme ich auch mit den nassen Waschlappen und die Scheibengardine sind schon mal 2 meiner Takeaways heute, danke Martina.

 

[00:26:17.890] - Andrea Bernard

Und ich finde auch, man muss auch die Message einer Geschichte nicht irgendwie so.. Ich sehe auf LinkedIn manchmal auch so Geschichten, wo dann so ganz am Ende kommt: Was lernen wir jetzt daraus? Oder was will ich dir damit sagen? Und dann kommt so ganz plakativ das...

 

[00:26:34.630] - Andrea Bernard

Oftmals will der Leser das selber entdecken, der will selber irgendwie die Schlussfolgerung daraus ziehen und man muss sie irgendwie andeuten. Aber man muss sie nicht immer schwarz auf weiß hinschreiben, finde ich.

 

[00:26:45.160] - Katrin Klemm

Hm, ja, man könnte jetzt als Takeaway sagen, und jetzt tue ich genau das, was du nicht willst. Man könnte jetzt als Takeaway sagen, wann immer das Leben dir in den Hintern tritt, du kannst auf jeden Fall noch eine gute Story daraus machen.

 

[00:26:58.760] - Andrea Bernard

Das stimmt. Wir haben noch ganz viele Sachen. Ich gucke mal, dass ich nichts übersehe. Hier haben wir Markus noch mal, die Intention offenzulegen, Transparenz finde ich sehr, sehr richtig und wichtig. Das stimmt ja, ist sehr gut, finde ich auch einen sehr guten. Petra sagt das, nicht Markus, jetzt komme ich schon durcheinander. Petra sagt das an Markus, richtig?

 

[00:27:33.180] - Katrin Klemm

Ja, und ich meine, wir sind Menschen. Wir sind noch nicht künstliche Intelligenzen und wir haben Gefühle und wir haben Ängste, was der Mensch halt so hat.

 

[00:27:45.250] - Katrin Klemm

Das heißt, warum sind wir manchmal so ein bisschen intransparent? Weil wir befürchten, uns könnte was Schlimmes passieren. Ja, auch da, kleine Übung setz dich hin und schreibt die zehn schlimmsten Dinge auf, die dir passieren könnten. Coach muss immer mit Übung um die Ecke kommen.

 

[00:28:02.080] - Katrin Klemm

Und die andere Seite ist, wir versuchen ja mit unserer Geschichte etwas zu erreichen, oder? Wir versuchen ja durch Intransparenten zu verbergen, dass wir auch irgendwo einen kleinen Haken haben. Und wir befürchten, dass unsere Hoffnung, dass wenn wir uns so strahlend da draußen darstellen, dass wir dann nicht kriegen, was sie wollen. Aber ich meine Leute, Menschen, die meisten Menschen, sind nicht doof. Man spürt es ja häufig, dass das da etwas, was nicht stimmt.

 

[00:28:37.930] - Andrea Bernard

Ja, absolut. Zumindest nach sehr kurzer Zeit dann. Und die Enttäuschung ist umso größer. Und ich habe das jetzt auch gerade in dem Buch von Seth Godin gelesen: "All Marketers Lie, All Marketers Tell Stories". Also alle Marketing Experten oder Fachleute lügen bzw. erzählen Geschichten.

 

[00:28:56.320] - Andrea Bernard

Und er sagt eben, wenn man mit einer guten Geschichte jemanden sozusagen trickst, dahin trickst, dass er zum Beispiel ein Produkt kauft oder so, was sich dann als falsch herausstellt, also als falsches Versprechen, dann ist die Enttäuschung und das negative Feedback und der Backlash umso stärker.

 

[00:29:13.570] - Andrea Bernard

Weil es eben, das sind kurzfristige Erfolge, die aber langfristig, und das ist die schlimmste Art von Marketing, weil Leute mit solchen Sachen über den Tisch zu ziehen. Und da aber den, ich sage mal, da den Unterschied zu finden oder da, ne, wie erzähle ich eine Geschichte über ein Produkt, die toll ist und die die Leute mitreißt und die trotzdem mit dem Produkt stimmig ist, ja. In dem Sinne wahr. Das ist, glaube ich, die hohe Kunst.

 

[00:29:40.630] - Katrin Klemm

Da kommt mir jetzt auch schon wieder eine Spitze, wo ich auch gleich mal hier unsere Mitleser und Schreiber mit an den Tisch führen würde, Petra Sammer auf jeden Fall. Für Einzelunternehmer und Kleinunternehmen transparent und ehrlich zu sein.

 

[00:29:59.500] - Katrin Klemm

Weil wir dann nicht so sehr enttäuschen können, wie das jetzt einen gesunden Müsliriegel an den Markt schmeißt und hinterher stellt sich heraus, oh, da ist ja irgendwelches Fett drin, was da nicht reingehört.

 

[00:30:11.990] - Katrin Klemm

Das wäre für mich noch mal eine interessante These. Ob es da Abstufungen gibt? In, wie echt, wie transparent kann ich sein? Ehrlich gesagt, da fehlt mir die Erfahrung. Ich habe noch nie mit einem Müsliriegel-Hersteller gearbeitet.

 

[00:30:27.440] - Andrea Bernard

Gut, bei großen, je größer das Unternehmen, umso größer die Rechtsabteilung. Habe ich immer das Gefühl hat es. Und das ist auch bei den Case Studies ja so. Je größer das Unternehmen.

 

[00:30:36.770] - Andrea Bernard

Zum Beispiel, wenn man jetzt, die häufigste Frage meiner Kunden, wenn Sie eine Case Study über einen Ihrer Kunden schreiben wollen, ist ja: Wie kriege ich meinen Kunden dazu, ja zu sagen? Und da ist ganz oft so, je größer das Unternehmen ist, umso schwieriger ist das. Weil eben, weil Rechtsabteilung mit dabei ist, weil PR-Abteilung und weil eben bestimmt auch solche Fragen eine Rolle spielen. Wie echt können wir sein? Was können wir nach draußen geben?

 

[00:31:02.630] - Andrea Bernard

Das ist wirklich eine gute Frage. Ich glaube aber, dass auch wir, dass auch Freiberufler und kleine Unternehmen sich die gleichen Fragen stellen. Auf jeden Fall.

 

[00:31:13.600] - Andrea Bernard

Ich hatte eine Nachricht auch noch von Petra gesehen, die sehe ich aber nicht mehr, wo sie darüber schrieb, dass Case Studies meist so langweilig sind.

 

[00:31:24.160] - Katrin Klemm

Die dritte von oben.

 

[00:31:26.270] - Andrea Bernard

"Ja, suuper langweilig, weil sie meist viel zu langatmig die Lösung anpreisen. Niemand schaut sich einen Film an und guckt 100 Minuten lang Lösung."

 

[00:31:36.510] - Andrea Bernard

Genau. Das nehme ich mir noch mal ganz stark zu Herzen, Petra, Ja. Das ist natürlich immer ein Spagat, finde ich auch, zwischen mir, meinem Kunden und dem Endkunden, der vorgestellt wird. Wie können wir die Geschichte so machen, dass alle glücklich sind und dass sie spannend ist für den Leser? Und genau. Das ist wirklich immer das...

 

[00:32:00.630] - Andrea Bernard

Gleichzeitig muss ich auch sagen, manchmal sagen auch Leute, das ist jetzt super spannend, weil sie genau nach dieser Lösung gesucht haben, weil sie der Leser sind, weil sie der Leser sind, der darüber nachgedacht hat, der dieses Problem hatte, der so eine Lösung gesucht hat und der dann sagt... Und die lesen jedes Wort. Vor allen Dingen die Deutschen habe ich immer das Gefühl. Im Amerikanischen ist es immer eher, da wollen die Leute mehr die Gefühle, "it's awesome". Und die Deutschen wollen immer die Zahlen und die Fakten über die Lösung sehen.

 

[00:32:28.260] - Andrea Bernard

Aber es ist auf jeden Fall wichtig. Unglaublich viele Case Studies sind sehr langweilig, ja. (Aber NICHT die meiner Kunden!!)

 

[00:32:34.820] - Katrin Klemm

Ja, die Fragen werden immer spannender.

 

[00:32:37.070] - Andrea Bernard

Ja, was siehst du noch, ich komme gar nicht hinterher.

 

[00:32:41.390] - Katrin Klemm

Wir haben den adligen Kollegen, wir haben die eigenen Grenzen, klare Haltung. Und dann kommt natürlich Petra jetzt wieder mit zum Ding um die Hand, wo ich denke ja, nächstes Jahr gibt es ja auch noch was zu tun. Oder bis zu diesem Jahr. Die Unterscheidung bei, transparent als Unternehmen, transparent im Produkt, transparent in der Kommunikation? Wie gesagt, liebe Petra, das ist eine These, die kam mir gerade so in den Kopf, wo ich einfach nur sag, ist spannend, will ich mal drüber nachdenken. Ich habe da auch noch keine Lösungen, Ideen.

 

[00:33:12.890] - Katrin Klemm

Also vielleicht machen wir wirklich mal mit mehreren hier ein kleines Panel.

 

[00:33:18.440] - Andrea Bernard

Fänd ich auch spannend, ja.

 

[00:33:20.810] - Andrea Bernard

Ich habe jetzt hier von Marcus: "Die eigenen Grenzen  in klarer Haltung zu den eigenen Stärken in der Beratung kann gerade gut sein, weil es ja immer auch um Vertrauen geht."

 

[00:33:27.620] - Andrea Bernard

Vertrauen! Das ist so ein wichtiges Wort. "Gerade in Unternehmen, die sich in einem Problem outen." Ja, genau. Aber auch Vertrauen aufbauen. Case Studies sind das, eines der Tools, um Vertrauen aufzubauen, ja, zu den potenziellen Kunden. Genau.

 

[00:33:42.980] - Katrin Klemm

Kurze Frage: Bekommst du denn eigentlich mit, wenn du abgeliefert hast, die Case Study. Ist dann bei dir der Prozess zu Ende? Oder bist du dann auch? Kriegst du noch Infos, wie dann die Adressaten der Case Study auf die Case Study reagieren?

 

[00:33:59.450] - Andrea Bernard

Also leider noch zu wenig, wobei ich da auch noch zu wenig hinterher bin. Ich müsste ja eigentlich praktisch auch Case Studies über meine Case Studies sammeln, also meine Kunden immer wieder fragen, was hattet ihr denn für Erfolge damit? Wie viel Kunden habt ihr gewonnen?

 

[00:34:11.030] - Andrea Bernard

Ich habe das zum Teil mal gemacht und dann auch gehört, dass zum Beispiel eine Kundin von mir, die ist Marketingberaterin. Die hat dann dank der Case Study, die wir gemacht haben, eine neue Beratungskundin gewonnen, die auch tatsächlich mir auf LinkedIn geschrieben hat: "Ich habe jetzt dank der Case Study, das war so anschaulich, jetzt auch diese Beratung in Anspruch genommen."

 

[00:34:28.430] - Andrea Bernard

Bei größeren Unternehmen höre ich es selten. Aber ich habe natürlich schon auch viele Kunden, die regelmäßige Kunden sind, die immer wieder Case Studies machen wollen. Und da frage ich dann auch immer wieder nach und die erzählen mir dann auch, "Die Case Study ist super angekommen. Wir haben jetzt andere Kunden dadurch."

 

[00:34:41.120] - Katrin Klemm

Oder, auch ganz oft, "Wir haben jetzt mit dem Kunden, der in der Case Study gefeatured wurde, noch mehr, das hat sich noch mehr vertieft. Diese Bindung zwischen uns, und die haben jetzt uns noch für andere Sachen angefragt und wir sind uns sicher, das wäre nicht so gewesen und mit so viel Begeisterung, wenn wir nicht diese Case Study gemeinsam gemacht hätten."

 

[00:34:57.290] - Andrea Bernard

Ja, das ist ja auch ein Prozess. Aber ich frag da noch viel zu wenig nach, ehrlich gesagt.

 

[00:35:02.960] - Andrea Bernard

Ich sehe die da natürlich auch immer veröffentlicht und freue mich da auch immer drüber und gucke dann auch, wie sie dann letztendlich umgesetzt wurde. Oft machen die Unternehmen ja dann auch Videos noch mit dazu, wo sie dann die Protagonisten auch noch mal filmen. Und das freut mich immer super, wenn ich dann das Endergebnis auch sehe.

 

[00:35:20.690] - Andrea Bernard

Wie ist das bei dir, wenn deine, wenn deine Kundinnen praktisch ihre Geschichten, ihre Storys finden, ihre Life Story finden? Hörst du dann auch darüber, was sie damit gemacht haben, was ihnen das gebracht hat? Wie sie, ja, machst du Case Studies über deine Kunden?

 

[00:35:38.150] - Katrin Klemm

Das habe ich bisher noch nie getan. Aber man sieht es ja gerade an dem, was ich jetzt für das letzte Jahr in Portugal gemacht habe. Ich habe mich zum ersten Mal wirklich getraut, denen mal ein Mikro unter die Nase zu halten und gesagt, "Komm, lass mal reden". Und ich bin sehr, sehr erstaunt, was Teilnehmerinnen auch mitgenommen haben.

 

[00:35:58.940] - Katrin Klemm

Und der zweite Aspekt ist, so eine Life Story hat einen Tag davor und hat, dann geht es ja ins Prototyping am Ende der Zeit, wo wir zusammen arbeiten. Und es gibt einen Tag, wo die Prototypings ausgewertet werden. Das sind dann zum Teil schon kleine Case Studies. Wenn ich also als Teilnehmerin festgestellt habe, so wie ich mir das vorgestellt habe mit dem Leben, das funktioniert gar nicht, muss ich noch mal nachschärfen.

 

[00:36:23.660] - Katrin Klemm

Also wir lernen sehr viel durch das Erzählen dieser Geschichten. Und dann biete ich immer an, ich baue so eine ganz kleine minikleine feine Community auf und wir treffen uns dann noch so viermal im Jahr, um wirklich dran zu bleiben, wie entwickelt sich die Geschichte weiter?

 

[00:36:41.750] - Katrin Klemm

Und ja, ich nenne das auch in der letzten großen Einheit so, lass uns ein "Sequel" schreiben. Ich nehme mir dann Rocky zum Vorbild. Kein Mensch hat gedacht, dass es nach dem ersten Film einen zweiten, dritten und so weiter gibt. Und damit lade ich wirklich ein, auch über die Grenzen des Jahres hinweg zu schauen und so weiter. Und da bekomme ich sehr klare Rückmeldung. Ist mir wichtig. Mir ist dieser echte menschliche Kontakt einfach wichtig.

 

[00:37:09.960] - Andrea Bernard

Hm, absolut ja. Macht dann ja auch das, wie soll ich sagen, auch wieder das Authentische aus. Dass du wirklich daran interessiert bist, dass du die Empathie hast, dass du wirklich praktisch deine Kundinnen dazu bringen willst, ihre Geschichten zu finden und damit im Leben weiterzukommen.

 

[00:37:26.420] - Katrin Klemm

Und ich würde gleich die Einladung hier, was ist Transparenz hinsichtlich Produktkommunikation und so noch erweitern, bei dem Einwurf von Petra: Wie transparent bin ich denn mir selbst gegenüber? Wie viele blinde Flecke habe ich? Wie echt bin ich mir selbst gegenüber? Ist es echt? Ist es wahrhaftig, wenn ich einfach sage, ich sehe, da wäre was zu bearbeiten? Und ich schiebe weg. Kann genauso echt und wahrhaftig sein, weil es vielleicht zu wehtun würde. Ähnliches. Oder ist es wahrhaftig, dass ich sage, oh my god, Pandoras Box? Na dann, Deckel auf und wir schauen mal, was passiert. Und das, das mag ich einfach so an den, ja, an den echten Geschichten.

 

[00:38:18.250] - Andrea Bernard

Aber würdest du auch sagen, Katrin, dass man, weil ich komme jetzt noch mal auf die Frage ganz anfangs zurück. Man erzählt über sich selber Geschichten. Hilft es nicht, und das ist ja auch deine Arbeit mit deinen Kundinnen, wenn du jemand hast, der dir die Fragen stellt, der da ist, der dir zuhört, der von außen praktisch dich da anregt. Das hilft doch, oder?

 

[00:38:38.890] - Katrin Klemm

Ja, ich bin auch wieder beides. Ich bin ein enorm freundlicher Mensch, aber ich bin ein Mensch, der sehr klar auf den Punkt kommt. Und ja, es hilft. Es hilft, sich nicht zu verstecken. Es hilft, mutig hinzuschauen. Und auch da wieder, keine Rotkäppchen-Geschichte ohne Wolf. Wo ist mein Wolf? Und warum bringt's mir jetzt was, den entweder an die Leine zu nehmen oder zu sagen, ja, dann friss doch die Großmutter! Ich befreie sie dann. Ja, natürlich und klar, es macht auch viel mehr Spaß.

 

[00:39:12.050] - Andrea Bernard

Ja, wir brauchen die Resonanz. Wir brauchen jemanden, der zuhört und der Resonanz gibt. Das ist auch das was, was mir zum Beispiel, es gab ganz tolle Räume auf Clubhouse, wo man eben auch wo, wo jemand was erzählt hat und dann eine Resonanz kommt von der anderen Seite. Wo man ein Feedback bekommt zu dem, was man gerade gesagt hat. Und dann geht es zur nächsten Geschichte weiter. Das finde ich unglaublich wichtig.

 

[00:39:34.580] - Katrin Klemm

Vielleicht darf ich dich auch noch mal nach diesem Links-Rechts-Balance fragen. Für wen zahlt es sich aus, dich als Case Study Copywriterin zu engagieren und für wen, bei wem würdest du sagen, das bringt uns beiden nix?

 

[00:39:54.260] - Andrea Bernard

Also ich finde jeder oder jede. Ich gendere nicht immer, aber ich meine immer alle. Also jeder Mensch, der Kunden hat. Ich sehe es jetzt wirklich mal rein im Business Kontext.

 

[00:40:07.400] - Andrea Bernard

Jeder Mensch,  der bereits Kunden hat, weil ich hatte auch schon Anfragen von Business Menschen, die noch keine Kunden haben.

 

[00:40:15.260] - Andrea Bernard

Also jeder, der Kunden hat und der sagt, ich hätte mindestens zumindest einen Kunden, wo ich sage, da gibt es eine Geschichte zu erzählen, der Kunde war glücklich. Ich weiß vielleicht noch nicht, was die Geschichte ist, aber da habe ich wirklich was erreichen können. Da habe ich gesehen, dass meine Dienstleistung, mein Produkt was bringt. Jeder dieser Menschen, finde ich, sollte, könnte und sollte solch eine Case Study schreiben.

 

[00:40:36.200] - Andrea Bernard

Und ich komme an der Stelle rein, dass ich sage, ich kann in mehrerlei Hinsicht helfen. Zum Ersten kann ich dem Unternehmen oder dem Freiberufler klar machen, was könnte deine Geschichte sein? Welcher Kunde könnte das sein? Ich gucke von außen auf deine Produkte drauf. Ich stelle die Fragen, die vielleicht auch ein potenzieller Kunde stellen würde. Ich bin nicht betriebsblind.

 

[00:40:58.220] - Andrea Bernard

Und ich helfe dir bei der Auswahl des Kunden auch, den du vorstellen möchtest. Und der nächste Schritt ist, dass ich eben, ich war früher auch mal, ich habe als Journalistin gearbeitet, dann als Unternehmensberaterin in der Marktforschung. Das heißt, ich habe mir jahrelang eben diese, und auch mit Begeisterung, wie man Interviews führt.

 

[00:41:14.870] - Andrea Bernard

Und zwar nicht wie ein Interview, also Frage 1, Frage 2, Frage 3, sondern als Gespräch. Das ist mein Herzblut. Ich kann dafür auch einen Leitfaden entwickeln, den ich daneben liegen habe und wo der andere trotzdem nicht merkt, dass ich da Fragen vor mir liegen habe. Das hilft total.

 

[00:41:30.110] - Andrea Bernard

Es hilft auch sehr, dass ICH die Fragen stelle, dass ich diesen Kunden interviewe, weil es immer schwer ist, dem dem direkten Anbieter, mit dem man zusammengearbeitet hat, direktes Feedback zu geben.

 

[00:41:41.240] - Andrea Bernard

Selbst Lob ist schwierig. Jetzt zu sagen, oh, das ist so toll mit dir gelaufen. Das ist viel einfacher, wenn ich das einer dritten Person erzählen kann. Aber auch Sachen, die vielleicht schwierig gelaufen sind. Oder zum Beispiel auch die Frage, als du diesen Lösungsanbieter gewählt hast. Was waren vielleicht auch deine Zweifel vorher oder solche Sachen auch zu sagen.

 

[00:42:01.610] - Andrea Bernard

Das fällt viel einfacher, wenn das eine neutrale Person ist. Und deswegen sage ich manchmal ich bin so der Psychologe, die Psychologin, die den Kunden dann auf die Couch legt und nichts mit der Geschichte zu tun hat und sagt, erzähl doch einfach erst mal!

 

[00:42:14.450] - Andrea Bernard

Und auch, was in die Geschichte anschließend reinkommt, ist überhaupt noch nicht. Erzähl erst mal frei von der Leber weg. Selbst wenn es vertrauliche Sachen sind, kannst du auch immer vorher sagen, als Hintergrundinfo oder vertraulich. Es bleibt alles vertraulich und was in die Geschichte am Ende reinkommt, wird auch gemeinsam entschieden. Du hast das letzte Wort. Du kannst erst mal ganz frei erzählen.

 

[00:42:32.390] - Andrea Bernard

Und dann habe ich natürlich auch den Vorteil, dass ich weiß, wie man so eine Geschichte anschließend schreibt. Es kommen ja ganz viele Fakten zusammen. Man könnte wahrscheinlich zehn Geschichten erzählen, aber man muss sich auf eine Geschichte konzentrieren.

 

[00:42:44.180] - Andrea Bernard

Und du hast das ja, glaub ich vorhin auch gesagt, formen und auch entscheiden, was tue ich rein, was lass ich raus? Und das ist natürlich auch, sage ich mal, eine Fähigkeit, die ich mir über die Jahre entwickelt habe. Dann eben diesen roten Faden mit dem Kunden gemeinsam noch mal abzusprechen und dann die Geschichte mit dem roten Faden zu schreiben.

 

[00:43:02.750] - Andrea Bernard

Das ist für, ich würde sagen für jeden, der neue Kunden sucht und da eben mehr so auf Inbound setzen möchte, also Kunden anziehen möchte. Dadurch, dass er sich öffnet, dass er sagt hier, das ist mein Arbeitsprozess. So arbeite ich, so funktioniert meine Lösung. Das ist in den kreativen Berufen, in den Beraterberufen. Ich arbeite ganz viel im IT-Bereich, weil ich aus dem Bereich komme.

 

[00:43:25.010] - Andrea Bernard

Komplexe Lösungen sind immer sehr gut, weil die schwer zu erklären sind oder auch Beratungslösungen, weil auch da schwer von außen zu sehen ist, wie läuft dieser Beratungsprozess? Solche Sachen eignen sich natürlich ganz besonders für eine Case Study.

 

[00:43:38.180] - Katrin Klemm

Also das heißt, wenn es schwierig zu erklären ist und ich gleichzeitig aber bereit bin, auch über Zweifel, über Gedanken, die man nicht so auf dem Tablett vor sich herträgt, nachzudenken. Also sozusagen, ich denke gerade an einen Film. "Guck mal, wer da spricht." Ich würde jetzt sagen, Scheibengardine weg. Und dann, wir machen aus dem Film "Guck mal, wer da ist oder guck mal, wer das ist." Dann wirds was.

 

[00:44:05.780] - Andrea Bernard

Ja, was waren auch die Zweifel vorher vielleicht? Wie man das dann schreibt, ist eine andere Frage, wie man das darstellt. Warum habe ich diesen Anbieter gewählt? Was hat mich dann überzeugt? Denn sonst wäre ich heute nicht hier und würde diese Geschichte erzählen. Wie ist die Zusammenarbeit gelaufen? Wie haben wir gemeinsam Hürden gemeistert und was hat mir das gebracht? Genau.

 

[00:44:28.480] - Andrea Bernard

Und das Ganze eben journalistisch geschrieben, nicht werberisch. Es ist keine Werbebroschüre. Auch das ist ein wichtiger Punkt von mir, weil ich gebe dann die Case Study meinem Kunden und der tut dann die ganzen Buzzwords wieder rein. "Und über die Lösung müssen wir jetzt hier, da müssen wir die ganzen Features noch mit reinschreiben." Und ich sag dann, nein, das ist keine Werbebroschüre, das ist eine journalistische Geschichte. Genau.

 

[00:44:52.300] - Andrea Bernard

Aber ich sehe, wir sind gerade, Wahnsinn, wir haben schon wieder 45 Minuten gesprochen, Katrin. Der Hammer! Und wir haben noch so viele Kommentare. Ich glaube, wir könnten noch zwei Stunden reden, aber ich merk auch schon, dass meine Stimme langsam versagt.

 

[00:45:06.430] - Katrin Klemm

Da müssen wir uns noch mal was Neues ausdenken!

 

[00:45:08.470] - Andrea Bernard

Und genau, ich gucke noch mal kurz. Ich danke euch allen für die super Kommentare. "Die Menschen merken vielleicht etwas..." Von Martina auch noch mal, "Die Menschen merken es vielleicht nicht und egal, ob das Produkt gut ist, sie hätten es ohne diese Manipulation wohl nicht gekauft." Ich glaube, das war vorhin zu einem Kommentar, wo es ums Tricksen ging.

 

[00:45:31.030] - Katrin Klemm

Ja, da ging es um den Adligen, glaube ich,

 

[00:45:35.800] - Katrin Klemm

Also das muss ich sagen. Es ist unglaublich, wie inspirierend eure Kommentare sind zum Weitermachen, Nachdenken, zum Antworten, zum neue Fragen spinnen? Ja. Bin total fasziniert.

 

[00:45:48.670] - Andrea Bernard

Ja, stimmt da hat Petra auch recht, "Viele Case Studies werden nur geschrieben, weil der Auftraggeber sich selbst loben will."

 

[00:45:54.880] - Andrea Bernard

Ich finde ja immer besser, wenn der Auftraggeber den Kunden lobt. Der Kunde ist der Held, sage ich immer.

 

[00:46:00.970] - Andrea Bernard

"Sylvester Stallone denkt seine Rocky Story immer weiter und auch um." Ah super noch ein Link.

 

[00:46:05.470] - Katrin Klemm

Ich hoffe, dass der Chat gespeichert wird, weil das will ich unbedingt danach gleich verfolgen.

 

[00:46:10.420] - Andrea Bernard

Ja der Chat ist gespeichert.

 

[00:46:11.740] - Andrea Bernard

"Storytelling ist immer Inszenierung." Ja, natürlich. Klar. "Man wählt Bausteine aus." Natürlich. Ja. Absolut. Ja.

 

[00:46:21.470] - Andrea Bernard

Das ist richtig. Sonst müssen wir Blair Witch gucken, den Film "Blair Witch". Ich weiß nicht, ob du den kennst, Katrin. Der hat ja ganz stark, einfach mit der Kamera drauf und in den Wald und so. Das war natürlich auch inszeniert, wirkte aber sehr, sehr, sehr spontan.

 

[00:46:35.540] - Andrea Bernard

Wahnsinn. Ich bin auch ganz, ich könnte jetzt noch zwei Stunden reden.

 

[00:46:39.740] - Andrea Bernard

Katrin, hast du zum Abschluss noch was, was du den Zuschauern mitgeben möchtest, was dir wichtig ist, was du nochmal raushauen möchtest?

 

[00:46:50.330] - Katrin Klemm

Ich bleib bei der Scheibengardine. Es lohnt sich. Es lohnt sich, dieses Ding ab und zu mal wegzuziehen. Es ist in Ordnung, wenn man es ab und zu auch mal da hängen lassen will, weil man nicht in allem gesehen werden will. Es ist nichts falsch und es ist nichts richtig.

 

[00:47:09.560] - Katrin Klemm

Und ja, für mich ist Wahrhaftigkeit wirklich ein großes Gut. Und probier's aus. Auch wenn es mal schiefgehen kann. Wie gesagt, wenn dir das Leben in den Hintern tritt, haste immer noch eine gute Chance, eine Geschichte draus zu machen.

 

[00:47:29.850] - Andrea Bernard

Richtig. Und ich denke auch immer, echt ist etwas oder wahrhaftig ist etwas, was man nicht erklären kann. Aber man kann es spüren, wenn man es sieht. Und wenn man die Person drumherum kennt und sagt.,,

 

[00:47:45.890] - Andrea Bernard

Genau, die Scheibengardine, die bleibt jetzt auch für immer in meinem Gedächtnis.

 

[00:47:51.130] - Andrea Bernard

Katrin, ich danke dir. Ich danke euch allen auch, dass ihr da wart. Ich brauch jetzt, glaube ich, eine Kanne Tee und ein Lutschbonbon. Das war super. Vielen, vielen, vielen Dank.

 

[00:48:03.040] - Katrin Klemm

Sehr, sehr gern. Es hat mir viel Spaß gemacht. Bis bald.

 

[00:48:07.930] - Andrea Bernard

Bis bald. Tschüss. Tschüss.