Blick in die Zukunft

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Tachikawa Temple Shinnyo En
Tempel in Tachikawa

Nein, das ist kein Aprilscherz: Morgen früh, am 1. April 2019, wird der Name einer neuen Ära (Nengō) in Japan bekannt gegeben. Ein einziges Wort, das die Essenz der kommenden Epoche verkörpern soll.

Was ist Nengō?

Nengō (年号) bzw. Gengō (元号) bezeichnet in Japan die „Regierungsdevise“ oder den „Äranamen“. Gleichzeitig ist damit die in Japan übliche Zeitrechnung gemeint. Dabei richtet sich das Datum nach dem Jahr der Regentschaft des aktuell herrschenden Kaisers und wird während dessen Regentschaft unter dem gleichen Namen bzw. mit der gleichen „Regierungsdevise“ bezeichnet. Und obwohl in Japan daneben auch die westliche Zeitrechnung bekannt ist, gilt bei Behörden das nengō-System nachwievor als verbindlich.

Wie lautet der derzeit aktuelle Äraname?

Das gegenwärtige Nengō lautet seit 1989 Heisei (jap. 平成, „Verwirklichung des Friedens“),  das Jahr 2019 zum Beispiel wird in Japan daher auch als Heisei 31 bezeichnet, also das 31. Jahr der Heisei-Ära.

Die Heisei-Periode geht nun am 30. April 2019 zu Ende, wenn Kaiser Aikihito nach 30-jähriger Amtszeit abdankt und für seinen Sohn Naruhito Platz macht. Damit dankt seit über zweihundert Jahren zum ersten Mal ein japanischer Kaiser bereits zu Lebzeiten ab.

Da mit dem Wechsel des Kaisers aber auch ein neuer Äraname gewählt werden muss, wird dieser nun bereits am 1. April, also einen Monat vorher, bekannt gegeben.

Wie wird der neue Name gewählt?

Wie und von wem wird nun dieser Name gewählt? Laut einem Gesetz von 1979 liegt es an der Regierung, die Entscheidung über den neuen Namen zu fällen. Der Äraname muss einem bestimmten Ideal, wie zum Beispiel Frieden oder Sicherheit, entsprechen. Außerdem muss er einfach auszusprechen und zu schreiben sein. Frühere Äranamen dürfen nicht verwendet werden – aber auch bereits bestehende Wörter sind tabu. Zudem ist der Name auf zwei Schriftzeichen beschränkt und wird in der Regel aus chinesischen klassischen Texten ausgewählt.

Der Äraname darf vor der offiziellen Bekanntgabe nicht publik werden, und das gesamte Auswahlverfahren ist von großer Verschwiegenheit geprägt. Sollte der Favorit trotzdem vor Bekanntgabe in die Medien gelangen, fällt er automatisch aus der Auswahl aus.

Es bleibt also spannend, für welchen Namen sich die Regierung für diese neue Ära entscheiden wird. 

Einige Favoriten

Hier einige Favoriten, die derzeit in den japanischen Medien diskutiert werden:

安永 – Anei – everlasting peace

安久 – Ankyu – everlasting peace (anderes Schriftzeichen)

永光 – Eiko – everlasting light

永安 – Eian – peace everlasting

永和 – Eiwa – never-ending harmony

Ich werde aus Japan weiter berichten, da ich am 1. April nach Tokio fliege und die Bekanntgabe daher hautnah miterleben kann.

 

 

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